Einheitskasse Ja oder Nein?

Einheitskasse Ja oder Nein?

Es ist wiedermal soweit. In gut einem Monat werden wir an die Urne gerufen, und dürfen über die Einheitskasse, (korrekt: eine öffentliche Krankenkasse) unser Urteil abgeben. Selten gibt es eine Abstimmung, wo ich mich mit der Entscheidungsfindung derart schwertue. Dennoch versuche ich hier, pro und kontra abzuwägen.

Momentaufnahme

Wir haben einen pervertierten Markt: Jeder Anbieter muss dasselbe Produkt anbieten. Jeder Anbieter muss jeden willigen Kunden akzeptieren. Die natürliche Strategie wäre nun, profitable – natürlich für den Anbieter – Kunden zu suchen. Genau dies wird jedoch vom System mittels Risikoausgeglichen, zumindest wird dies versucht.
Wo ist da der Markt? Kein Anbieter kann besonders innovativ sein. Kein Anbieter kann (oder sollte können) durch geschickte Analyse sein Kundenportfolio optimieren. Der einzige Aspekt wo der Markt spielt, ist der Preis.

Die Argumente

lassen sich schnell zusammenfassen

  • Gegen die Initiative, weil der Markt die Verwaltungskosten tief hält.
  • Für die Initiative, weil der Pseudomarkt Leerläufe und unnötige Kosten wie verursacht.

Beide Argumente sind durchaus nachvollziehbar. Doch wie sieht es mit konkreten Zahlen aus? Eine konkrete Zahl, die von den Initiativegegner oft erwähnt wird, sind die niedrigen 5.4% Verwaltungskosten, erhoben vom BAG. Die Befürworter sprechen von 325 Mio. Fr. Werbe- und Wechselkosten – woher auch immer diese Zahl stammt.

Nun, weshalb sind solche Kosten schwer zu erheben? Wer die Krankenkasse wechselt, findet die Antwort. Grund- und Zusatzversicherung sind aus Kundensicht eng verwoben, mit einem Klick mehr ist man Halbprivat versichert. Wie soll man hier eine saubere Kostentrennung zwischen Grund- und Zusatzversicherung vornehmen. Diese Intransparenz relativiert die schönen Zahlen der Initiativgegner wieder.

Auf beiden Seiten versuchen Kommitees uns fürs eine oder andere zu überzeugen. Wer sich jedoch weder von Prämienexplosionen noch Einheitspatienten überzeugen lässt, wird nicht wirklich bedient.

Warum ich Ja stimme

Im Gesundheitsbereich gibt es einige starke Akteure: Krankenkassen, Spitäler (Kantone), Pharmaindustrie. Dann gibt es weitere mehr oder minder starke Spieler wie der FMH oder Patientenorganisationen.

Was haben diese Akteure gemeinsam? Sie alle stehen auf der Gewinnerseite von steigenden Gesundheitskosten!

Einzig die gesunde Bevölkerung hat ein direktes Interesse an sinkenden Gesundheitskosten. Wer vertritt deren Interessen in der Gesundheitspolitik? Genau, die Politiker, allen voran die Parlamentarier der SGK (Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit).

Dies ist natürlich auch den Finanzstarken unter den Akteuren nicht entgangen. Sowohl im Nationalrat wie auch im Ständerat gehört ein Verwaltungsratsmandat bei einer Krankenkasse oder zumindest einem Spital zum guten Ton.

Momentan bestimmen die Versicherer die Politik. Der soll-Zustand ist andersrum: Die Politik bestimmt die Versicherung. Die Einheitskasse mag nicht der Weisheit letzter Schluss sein, in diesem essentiellen Aspekt ist sie jedoch dem momentanen Regime vorzuziehen.